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„Wichtig ist die Zusammenarbeit auf Augenhöhe” – Interview mit Prof. Dr. Oliver Böhm-Kasper, Universität Bielefeld

27.06.2024

Im aktuellen impaktmagazin der Wübben Stiftung Bildung geht Prof. Oliver Böhm-Kaspar, Professor für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Quantitative Methoden der Sozialforschung an der Universität Bielefeld, folgenden Fragen nach: Was versteckt sich hinter dem Begriff multiprofessionelle Kooperation? Welche Herausforderungen bringt sie mit sich? Und muss Kooperation eigentlich gelernt werden? Es folgen Auszüge des Interviews, das Sie vollständig im aktuellen impaktmagazin finden.

Herr Prof. Böhm-Kasper, wie definieren Sie multiprofessionelle Kooperation an Schule und welche Bedeutung hat sie für die schulische Bildungspraxis?

Multiprofessionelle Kooperation kann als zielgerichtete Zusammenarbeit von mindestens zwei oder mehr pädagogisch tätigen Fachkräften aus verschiedenen Professionsgruppen in und außerhalb von Schulen definiert werden. (…) Vor allem in einem inklusiven Schulsystem sind die Herausforderungen für die einzelnen Professionen (z. B. Lehrkräfte, Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter) so komplex, dass diese nicht durch pädagogische „Einzelkämpfer“, sondern nur gemeinsam in einem multiprofessionellen Team gemeistert werden können. Wichtig ist dabei eine Zusammenarbeit auf „Augenhöhe“, die jedes Teammitglied wertschätzt und dessen jeweilige spezifischen Kompetenzen als wertvoll für die gemeinsame Zielerreichung ansieht.

Welche Voraussetzungen braucht es, damit multiprofessionelle Kooperation in Schule gelingen kann? Welche Herausforderungen zeigen sich?

Multiprofessionelle Kooperation fällt nicht vom Himmel und ist auch nicht per Erlass steuerbar. Es braucht zunächst einmal Pädagoginnen und Pädagogen, die den Mehrwert einer Zusammenarbeit mit anderen pädagogischen Professionen erkennen und auch bereit sind, den mit einer Kooperation zunächst einmal verbundenen Mehraufwand (z. B. für Austausch oder gemeinsame Arbeitsplanung) zu stemmen. Gleichzeitig muss dieses Engagement vonseiten der Schulleitung durch zeitliche Freiräume und/oder feste institutionalisierte Strukturen (z. B. Teamstunden) unterstützt werden. Gerade dieser Punkt stellt jedoch für Schulen mit knappen personellen und zeitlichen Ressourcen eine große Herausforderung dar. Innerhalb der multiprofessionellen Teams ist gegenseitiges Vertrauen bei der zielgerichteten und gemeinsam verantworteten Zusammenarbeit notwendig; zudem sollte kein Teammitglied das Gefühl haben, deutlich mehr Arbeit als andere in die Zusammenarbeit zu investieren.

Welche Auswirkungen hat eine effektive und wertschätzende Zusammenarbeit im Team auf die Schule und die Schülerinnen und Schüler?

Sowohl die ganztägige Bildung als auch die Inklusion wurden als große Reformvorhaben in den letzten 20 Jahren seitens der Bildungspolitik eingeführt. Mit diesen Reformen hat sich die professionelle Struktur des Schulpersonals nachhaltig erweitert – eine multiprofessionelle Zusammensetzung ist mittlerweile der Regelfall und nicht mehr die Ausnahme. Auch die Aufgaben und Herausforderungen für das schulische Personal haben sich durch diese Entwicklungen deutlich verändert. In Schulen mit einer wertschätzenden und effektiven multiprofessionellen Zusammenarbeit sind diese Herausforderungen erfolgreich bearbeitbar und damit Chancengerechtigkeit und Teilhabe für alle Schülerinnen und Schüler – unabhängig von ihren soziokulturellen und sozioökonomischen Lebenssituationen, Lernausgangslagen und Förderbedarfen – erreichbar.

Das gesamte Interview finden Sie hier im neuen Impaktmagazin „Familiengrundschulzentren – Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team“ ab Seite 23.