EINBLICKE IN DIE PRAXIS

Wie entsteht ein Familien­grund­schul­zentrum? Wie kann man den Kontakt zu Eltern und Kindern nach­haltig gestalten? Wie gelingen Kooperationen im Sozial­raum? Diese und viele weitere Fragen stellen sich viele Kommunen und Familien­grund­schul­zentren. Wir besuchen in regelmäßigen Abständen die Initiativ­kommunen und sammeln Einblicke in die Praxis ein. Lassen Sie sich inspirieren.

Jede Grundschule in Nordrhein-Westfalen sollte ein Familienzentrum werden

Vor sieben Jahren ist die Idee der Familiengrundschulzentren in Gelsenkirchen entstanden. Die Vision damals: Schule ist ein Ort des Lebens und Lernens der gesunden und glücklichen Kinder. Wir haben in Gelsenkirchen nachgefragt, ob Wünsche und Hoffnungen von damals in Erfüllung gegangen sind und blicken mit Neriman Aksoy, kommunale Koordinatorin für Familiengrundschulzentren bei der Stadt Gelsenkirchen, auch in die Zukunft.

Lotse und Helfer in der Not

Familiengrundschulzentren wollen auf Augenhöhe Eltern als Bildungspartner ihrer Kinder gewinnen. Sie versuchen mit niederschwelligen Angeboten, Eltern den Zugang zu Schule zu erleichtern und Schule mit positiven Erfahrungen zu verbinden. Dadurch haben Familiengrundschulzentren eine besondere Nähe zu Eltern und können diese auch nutzen, um Eltern auf weitere Angebote im Sozialraum aufmerksam zu machen. „Das Jugendamt ist oft noch sehr negativ behaftet für Eltern. Sie sehen nicht die Hilfe, sondern haben eine diffuse Angst“, sagt Denise Runge, Leiterin des Familiengrundschulzentrums an der Mammutschule in Ahlen. Diese Barrieren könne das Familienzentrum abbauen und Vertrauen schaffen.

Elterngespräche an der Türangel

Die Mammutschule in Ahlen hat auf dem Weg zum Familiengrundschulzentrum einen langen Prozess durchlaufen. Ging es anfangs primär um Fragen zu Organisation und der Rollenklärung zwischen den an Schule befindlichen Akteuren, hat sich im Prozessverlauf viel auf den Beziehungsaufbau zu den Familien und dessen Pflege konzentriert. Dabei hat sich viel an der inneren Einstellung gegenüber Eltern verändert. „Wir waren früher ein stückweit arrogant und haben Eltern viele Grenzen aufgezeigt“, sagt Elke Walter, Schulleiterin der Mammutschule. Die Eltern haben sich dadurch aus der Schule zurückgezogen. „Die Entwicklung zum Familiengrundschulzentrum hat uns die Augen geöffnet.“

Vom Piloten zu vier Familiengrundschulzentren

In Ahlen gibt es 2021 inzwischen vier Familiengrundschulzentren. Das erste Familienzentrum ist in städtischer Trägerschaft gestartet, die weiteren drei in freier Trägerschaft. „Der Vorteil der städtischen Trägerschaft lag ganz klar im Lernen“, sagt Lisa Kalendruschat, Koordinatorin der Ahlener Präventionskette. Durch die engmaschige Betreuung habe man das Konzept gut ausarbeiten können.

Eine Schule = ein freier Träger

In Ahlen gibt es vier Schulen, die sich zu Familiengrundschulzentren entwickelt haben. An den Schulen sind unter anderem Förderassistenzen, Offener Ganztag (OGS) oder Schulsozialarbeit anzutreffen. Das führt oft dazu, dass verschiedene freie Träger vor Ort sind. Zielstellung der Ahlener Jugendhilfe ist es, Trägerstrukturen zu bündeln. Was sind die Vor- und Nachteile diese Bündelung? Das erklärt Lisa Kalendruschat, Koordinatorin der Ahlener Präventionskette, im Interview.

Mentoringprogramm „Balu & Du“ an einem Familien­grund­schulzentrum

Kinder wachsen durch Vorbilder. Das ist die Grundidee hinter sogenannten Mentoring- und Patenschaftsprojekten. Dabei findet sich eine große Vielfalt an Ausgestaltungsmöglichkeiten solcher Projekte beispielsweise hinsichtlich der Wahl der Mentorinnen und Mentoren. „Rock your Life“ setzt beispielsweise Studierende als Mentorinnen und Mentoren für Schülerinnen und Schüler aus Haupt- und Gesamtschulen ein.

Wie ein Familien­grund­schulzentrum entsteht – am Beispiel von Mönchengladbach

Derzeit entstehen in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesländern viele Familiengrundschulzentren. Doch wie entsteht ein neues Familiengrundschulzentrum? Im Interview beschreibt die kommunale Koordinatorin in Mönchengladbach, Annika Ahrens, den dortigen Weg: von den Voraussetzungen und Prozessen in der Kommune, über die Fragen der richtigen Standortwahl, der Anbahnung des Vorhabens am Schulstandort und letztlich der benötigten Strukturen für dessen Umsetzung.

Installierung und Ansiedlung der Kommunalen Koordination für Familiengrundschulzentren in der Jugendhilfe – am Beispiel von Mönchengladbach

Kommunen, die Familiengrundschulzentren etablieren wollen, stellen sich ähnliche Fragen. Eine dieser Fragen ist, ob man eine Kommunale Koordination für Familiengrundschulzentren installiert und wo man diese in der Kommune ansiedelt. Wir haben in Mönchengladbach nachgefragt, wofür man sich dort entschieden hat und warum. In Kürze: Es gibt eine Kommunale Koordination für Familiengrundschulzentren und diese ist angesiedelt im Jugendamt.

Das Familiengrundschulzentrum als Knotenpunkt im Sozialraum

Familiengrundschulzentren leben von Kooperationen – nicht nur innerhalb der Schulgemeinde, sondern vor allem auch im Sozialraum. Doch wie entstehen diese? „Wir halten Augen und Ohren offen und ruckzuck entwickelt sich etwas Neues“, sagt Claudia Kirsch, Leiterin des Familiengrundschulzentrums an der Evangelischen Grundschule Pahlkestraße in Mönchengladbach.

„Ich sehe dich. Ich bin da“ – Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams

Entsteht ein neues Familiengrundschulzentrum, entstehen dadurch auch neue Strukturen an einer Grundschule, neue Chancen und neue Herausforderungen. Wie kann Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams gelingen? Wie geht man mit Widerständen um? Wie kann man als Team den Prozess gestalten und reflektieren? Das haben wir Christina Terfurth gefragt. Sie ist u.a. in der Leitungskräftefortbildung beim QUA-LiS NRW tätig und heute Referentin bei unserer Fachveranstaltung: „Umgang mit „Widersacherinnen“ und „Widersachern“ – die Kunst, Widerständen konstruktiv zu begegnen“.

Padlet – eine interaktive Pinnwand für die Angebote eines Familiengrundschulzentrums

Bis zum ersten Lockdown im März 2020 hatte im Familienzentrum Sternschule in Gelsenkirchen noch niemand über digitale Angebote für Familien nachgedacht. Es gab dafür einfach keine Notwendigkeit. Als sich mit der Zeit immer stärker abzeichnete, dass die Pandemie nicht nach wenigen Monaten vorbei sein sollte, hat sich das Familienzentrum Sternschule entschieden, aktiv zu werden. Um den Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern zu halten und Informationen zu teilen, nutzt die Schule ein Padlet. Die Funktionsweisen waren dadurch Schülerinnen, Schülern und Eltern bekannt, so dass das Familiengrundschulzentrum entschied, ebenfalls ein Padlet einzurichten und darüber Angebote des Familiengrundschulzentrums zu platzieren.

Anreiz-Bonus-System: Wie man den Kontakt zu Eltern und Kindern binden kann

Wie schafft man es den Kontakt zu Eltern und Kindern nachhaltig zu gestalten? Wie kann man Familien zur aktiven Teilnahme an den Angeboten eines Familiengrundschulzentrums animieren? Das fragen sich nicht nur neue Familiengrundschulzentren. Im Lockdown war dies eine große Herausforderung für viele. Wir haben dazu mit Tanja Hupe, langjährige Leiterin des Familienzentrums Sternschule in Gelsenkirchen gesprochen. Ihr Tipp: Machst du mit, dann bekommst du was von mir.

Wie Angebote für Familien auf Distanz aussehen können

Im März 2020 waren die Schulen zum ersten Mal aufgrund der Corona-Pandemie für den Präsenzverkehr geschlossen. Im anschließenden Jahr lösten sich Öffnungen und Schließungen von Schulen regelmäßig ab. Was hat das für Familiengrundschulzentren bedeutet und wie sahen Angebote für Familien aus, die auch im Lockdown – auf Distanz – funktionierten? Wir haben Tanja Hupe, die langjährige Leiterin des Familienzentrum Sternschule in Gelsenkirchen gefragt. Ihre erste Einschätzung: Wir sind an der Situation gewachsen. Während wir am Anfang von der Situation überfordert waren, bereiten uns nun mögliche kommende Schließungen keine Sorgen mehr.

„Der Schlüssel liegt im Aufbau positiver Beziehungen zwischen Schule und Elternhaus“

In Ahlen gibt es inzwischen vier Familiengrundschulzentren. Lisa Kalendruschat, die Koordinatorin Präventionskette, wünscht sich für ihre Kommune, dass Familiengrundschulzentren zum festen Bestandteil der Stadtgesellschaft werden und nicht mehr wegzudenken sind. Gerade die Pandemie habe gezeigt, dass Familiengrundschulzentren eine zentrale Ressource für Schule und Familien sind.

Start auf Distanz: Wie neue Leitungen von Familiengrundschulzentren im Lockdown Kontakt zu Eltern und Kindern aufbauen können

Wir befinden uns seit März 2020 in einer Pandemie. Schulen und damit auch die Familiengrundschulzentren mussten bereits mehrmals für den Präsenzverkehr schließen. Gleichzeitig sind durch zwei neue Förderrichtlinien in Nordrhein-Westfalen „kinderstark – NRW schafft Chancen“ und „Familiengrundschulzentren im Ruhrgebiet“ 2020 und 2021 zahlreiche neue Familiengrundschulzentren (FGZ) in den Kommunen beantragt worden. Das hat zur Folge, dass viele Familiengrundschulzentren im Lockdown in den Betrieb gestartet sind. Doch wie baut man Kontakt zu Eltern und Kindern auf, wenn man diese nicht täglich in den Räumen der Schule sieht? Wir haben die langjährige Leiterin des Familienzentrum Sternschule in Gelsenkirchen, Tanja Hupe, gefragt. Ihre Empfehlung lautet: eine niedrigschwellige Ansprache der Eltern über unterschiedliche Kanäle.

„Wenn die Kinder sehen, dass auch die Eltern in die Schule gehen, gibt ihnen das Sicherheit.“

Familienzentren verbinden Familien mit der Grundschule und dem ganzen Viertel und machen Eltern zu echten Bildungspartnern ihrer Kinder. Wie die Stadt Gelsenkirchen mit Hilfe der Wübben Stiftung ein neues Konzept aus­ probiert und zum landesweiten Vorreiter wird.

„In erster Linie muss eine Schulgemeinde Ja sagen.“

Die Einrichtung von Familienzentren an Grundschulen in Gelsenkirchen kann als ein Prozess beschrieben werden – und als ein großer Erfolg. Mit Förderung der Wübben Stiftung kamen in den letzten fünf Jahren stetig mehr Schulen hinzu. Von den Machern verlangte dieser Prozess viel Geduld, Kommunikationsvermögen und eine klare Vision.

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