„Die Eltern haben sich gefreut, dass es ein solches Angebot gibt“
Pieks für alle: Die Ludgerischule veranstaltet im Stadtteil Impfaktionen. Die Idee dafür entstand im Elterncafé. Wie organisiert man so etwas, Gudula Grundel?
Frau Grundel, Sie veranstalten an Ihrer Schule in Kooperation mit dem Gesundheitsamt regelmäßig Impfaktionen. Eine ungewöhnliche Initiative, die wie entstanden ist?
Gudula Grundel: Jede Woche treffen sich etwa 40 Mütter unserer Schulkinder im Elterncafé unseres Familiengrundschulzentrums. Es ist ein beliebter Ort, an dem sich lebhaft ausgetauscht wird und Probleme angesprochen werden. So wurde uns von einigen Müttern zugetragen, dass viele Familien im Stadtteil Schwierigkeiten mit der kinderärztlichen Versorgungslage haben. Sie finden zum Beispiel keine Kinderärztin und keinen Kinderarzt oder bekommen nur schwer Termine, sodass sie häufig weite Wege auf sich nehmen müssen. In der Folge werden wichtige Themen wie Impfungen unfreiwillig vernachlässigt. Das hat mich sehr besorgt, sodass ich das Thema mit dem Leiter unseres Gesundheitsamts besprochen habe. Er hat kurzerhand vorgeschlagen, an unserer Schule eine Impfaktion Mumps-Masern-Röteln zu organisieren, da zunächst diese Impfung hohe Priorität für ihn hatte. Gesagt, getan: Wir bieten dieses Angebot dreimal im Jahr an unserer Schule an.
So eine Impfaktion ist sicher nicht einfach mal so gemacht. Wie organisieren Sie das?
Grundel: Das ist gar nicht so schwierig, wie es zunächst klingen mag. Wir legen einen Termin fest und bewerben die Aktion im Stadtteil, zum Beispiel über Plakate und per E-Mail. Das Gesundheitsamt stellt eine Ärztin oder einen Arzt und eine medizinische Assistenz bereit – und wir die Räumlichkeiten. Die Impfaktion dauert zwei Stunden: Es kann jedes Kind mit seinen Eltern kommen, das Masernschutz benötigt. Wir sind dankbar, dass wir diese Kooperation so schnell und unkompliziert eingehen konnten. Vorteilhaft ist hier sicher, dass wir grundsätzlich sehr gut und vertrauensvoll mit dem örtlichen Gesundheitsamt zusammenarbeiten. Inzwischen kommt jedes Jahr eine Ärztin zu uns ins Elterncafé, um die Mütter über Gesundheitsthemen aufzuklären. Unser Ziel ist, die Angebote an unserem Familiengrundschulzentrum auf weitere Impfungen und U-Untersuchungen auszuweiten.
Wie kommt die Impfaktion denn in der Schulgemeinschaft und darüber hinaus im Stadtteil an?
Grundel: Unsere Elternschaft schätzt unsere Impfaktion sehr. Tatsächlich aber scheint die Impfquote in unserer Schülerschaft schon sehr gut, sodass hauptsächlich Kinder von anderen Schulen mit ihren Eltern zu uns kommen, um sich impfen zu lassen. Das Signal an unsere Eltern ist dennoch stark: Ihre Themen werden gehört, wir und auch das Gesundheitsamt nehmen ihre Sorge um die hiesige medizinische Versorgungslage ernst. Unser Elterncafé ist nicht nur ein beliebter Begegnungsort, sondern auch einer, an dem Aktionen wie diese ihren Ursprung haben.
Dieser Text wurde erstmals am 22. April 2026 im Online-Magazin SchuB der Wübben Stiftung Bildung veröffentlicht.
WEITERE INFORMATIONEN
Protokoll: Michelle Maier
Foto: © Kaja Grope / Gundula Grundel
Kommune: Hamm
Schule: Ludgerischule Hamm

