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Entwicklungskonferenz: Familiengrundschulzentren sind toll und brauchen eine langfristige Absicherung in NRW

„Heute machen wir Werbung. Es ist kein Zufall, dass wir uns sechs Tage vor der nächsten Landtagswahl in NRW hier treffen“, so eröffnete Dr. Markus Warnke, Geschäftsführer der Wübben Stiftung, neben Marc von Krosigk, Geschäftsführer der Auridis Stiftung, die Entwicklungskonferenz „Familiengrundschulzentren in NRW“. Ziel sei es, ein Signal in den politischen Raum zu senden. „Denn das Konzept der Familiengrundschulzentren verdient es, unterstützt zu werden.“ Familiengrundschulzentren seien kein Projekt, sondern bräuchten eine strukturelle Absicherung. Warnke forderte anschließend die mehr als 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf, diesen Impuls weiterzutragen: „Familiengrundschulzentren sind toll. Überall dort wo sie können, erzählen sie davon.“

Im Maxhaus, einem katholischen Begegnungshaus in der Düsseldorfer Altstadt sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz NRW zur Entwicklungskonferenz, die von Britta Mersch moderiert wird, zusammengekommen, um sich über die Zukunft und Perspektiven von Familiengrundschulzentren in NRW auszutauschen.

Ahlen: Der Lebensraum Schule hat sich verändert
Werbung machen: Die Ansage nehmen die vier Vertreterinnen der Stadt Ahlen auf dem ersten Podium ernst. Nach einem wissenschaftlichen Vortrag von Prof. Sybille Stöbe-Blossey von der Universität Duisburg-Essen mit Blick auf Perspektiven und Potentiale von Familiengrundschulzentren für Kommunen machen sie mit viel Begeisterung deutlich, was Familiengrundschulzentren seit 2017 in Ahlen verändern und bewirken. Die Schulleiterin der Mammutschule in Ahlen, Elke Walter, schaute sich 2017 das erste Familiengrundschulzentrum in Gelsenkirchen an und ihr war klar: Das will sie auch. Ihre Schule sei damals durch Fusion, Umzug und personelle Veränderungen in einer Krise gewesen. „Die Entwicklung zum Familiengrundschulzentrum war natürlich kein Allheilmittel, aber unsere Haltung und der Lebensraum Schule haben sich dadurch grundsätzlich verändert“, sagt Walter. Eltern werden nicht erst angesprochen, wenn es Probleme mit den Kindern gibt, sondern es wird anlasslos über alles Mögliche gesprochen – auch Rezepte. So wird Vertrauen aufgebaut. „Unsere Eltern sind belastet. Wir nehmen diese Belastung ernst und versuchen, zu helfen.“ Denise Runge, die Leiterin des Familiengrundschulzentrum an der Mammutschule, macht deutlich, dass es hier nicht um die originären Aufgaben von Schule geht. Sondern sie leistet für die Eltern oft Hilfe zur Selbsthilfe: „Wir nutzen Elterncafés auch dafür, dass sich Beratungsstellen vorstellen und die Eltern merken, dass sind ja ganz nette Leute und vielleicht kann ich mit denen tatsächlich über eines meiner Probleme reden.“

Lisa Kalendruschat, Kommunale Koordination für Familiengrundschulzentren in Ahlen, macht die Rolle der Kommune deutlich. Seit 2017 wird in Ahlen die Ahlener Präventionskette als großes gesamtstädtisches Projekt ausgebaut, das träger- und institutionenübergreifend umgesetzt wird. Das große Ziel ist es, Chancengerechtigkeit zu schaffen und Bildungsteilhabe zu ermöglichen. „Unser Ziel ist eine Präventionskette aufzubauen – von der Schwangerschaft der Mutter bis zum Berufseinstieg – und diese möglichst dicht zu stricken. Durch unseren Besuch in Gelsenkirchen ist unsere Leidenschaft für Familiengrundschulzentren entflammt worden.“ Denn gerade in der Phase der Grundschule gäbe es noch einen weißen Fleck in der Präventionskette.

Befristete Förderung, befristete Arbeitsverträge
Lisa Kalendruschat betont jedoch ebenfalls, dass es für die inzwischen vier Familiengrundschulzentren bisher nur eine Perspektive bis zum 31. Juli 2024 gibt. Deshalb sei eine strukturelle Absicherung der Familienzentren so wichtig. „Es wird in Ahlen großartige Arbeit geleistet, wir sind auf einem guten Weg. Aber Familiengrundschulzentren sind ein Prozess. Und Prozesse brauchen Zeit.“ Eine langfristige finanzielle Sicherheit und ausreichende personelle und strukturelle Ressourcen seien daher mit Blick auf die kommende Landesregierung sehr wichtig. Denise Runge ergänzt, dass es für sie um die Sicherung ihres Arbeitsplatzes gehe. Sie koordiniert mit einer halben Stelle das Familiengrundschulzentrum und mit einer weiteren halben Stelle das Angebot im Offenen Ganztag.

Mit Blick auf die Zukunft der Familienzentren fasst Schuldezernentin Stephanie Kosbab aus Ahlen zusammen: „Wir können nicht Sachen erst fördern, etablieren und dann hinterher sagen, jetzt finanzieren wir das Ganze nicht mehr und riskieren damit, dass die Stellen weg sind.“ Das wäre auch ein fatales Signal an die Eltern, die sich mit der Schule auf den Weg gemacht hätten.

Strukturelle finanzielle Absicherung
Im zweiten Podium geht es mit der Frage nach den notwendigen Ressourcen für Familiengrundschulzentren gleich weiter. Schon jetzt sei der schulische Ganztag chronisch unterfinanziert, sagt Ursula Hawighorst von der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege. Die Einrichtung von Familiengrundschulzentren dürfe diese Situation nicht zusätzlich belasten, sondern verlange nach einer eigenständigen Finanzierung „on top“. „Für Familiengrundschulzentren muss eine dauerhafte Lösung geschaffen werden.“ Pia Amelung vom Städtetag NRW plädiert dafür, die Erfahrung aus der den letzten Jahren mitzunehmen und nun in eine nächste Phase zu starten. „Es ist jetzt an der Zeit, weiterzugehen und noch eine Schüppe drauf zu legen.“ Trotz zweier Förderrichtlinien sei die Förderung der Familiengrundschulzentren in der Fläche bisher nicht möglich. Das müsse sich ändern.

Michael John, Programmleiter für Familiengrundschulzentren bei der Wübben Stiftung, stellt zum Ende noch einmal die drei Forderungen an die kommende Landesregierung auf, die im Anschluss an das Programm der Konferenz auch in Form eines Offenen Briefes von den Kommunen überreicht werden. „Wir fordern eine langfristige strukturelle Finanzierung, eine Klarheit in der Zuständigkeit auf Landesebene und fachliche Unterstützung für Kommunen und Familiengrundschulzentren.“

Gallery Walk der Städte und Familiengrundschulzentren
Nach dem offiziellen Programm konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Kreuzgang des Maxhauses die Stände von folgenden acht Städten anschauen: Bielefeld, Bottrop, Dortmund, Gelsenkirchen, Gladbeck, Herten, Mönchengladbach und Oberhausen.

Marisa Klasen, Wübben Stiftung

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