EINBLICKE IN DIE PRAXIS

Wie Angebote für Familien auf Distanz aussehen können

Im März 2020 waren die Schulen zum ersten Mal aufgrund der Corona-Pandemie für den Präsenzverkehr geschlossen. Im anschließenden Jahr lösten sich Öffnungen und Schließungen von Schulen regelmäßig ab. Was hat das für Familiengrundschulzentren bedeutet und wie sahen Angebote für Familien aus, die auch im Lockdown – auf Distanz – funktionieren mussten? „Wir sind an der Situation gewachsen“, sagt Tanja Hupe, längjährige Leiterin des Familienzentrum Sternschule in Gelsenkirchen. Während sie am Anfang von der Situation überfordert gewesen seien, würden ihnen nun mögliche kommende Schließungen keine Sorgen mehr bereiten.

Zu Beginn der Pandemie hat das Familienzentrum Sternschule seine Angebote auf To Go-Angebote umgestellt. Den Eltern wurden bei der Hausaufgabenausgabe Päckchen mit Bastelutensilien oder Pflanzaktionen mitgegeben. Im Schaukasten der Schule und in WhatsApp-Gruppen der Pflegschaftsvorsitzenden wurden die Angebote beworben. Damals schwang noch die Hoffnung mit, dass die Pandemie nach den Sommerferien vorbei sein würde. Als sich abzeichnete, dass das nicht der Fall ist, wurden im Familiengrundschulzentrum neue, nachhaltigere Wege gewählt.

Padlet: Die Mitarbeiterinnen im Familiengrundschulzentrum haben geschaut, wie die Schule Kontakt zu den Eltern hält und haben sich auf dieser Grundlage entschieden, ein Padlet für die eigenen Angebote einzurichten. Damit sind die Eltern durch den Distanzunterricht schon vertraut. Ein Padlet ist eine digitale Pinnwand, die mit Inhalt befüllt werden kann. Der Inhalt kann ganz unterschiedlicher Art sein: Von klassischen Aufgabenblättern über Audiodateien mit Vorlesegeschichten, Videolinks zu YouTube bis hin zu Fotoserien. Ziel des Padlets in Gelsenkirchen ist es nicht, Kinder noch mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen zu lassen, sondern über das Padlet unter anderem Inspirationen für Ausflüge in der Natur zu geben. Das Padlet wurde beispielsweise genutzt, um eine Stadtrallye zu bewerben und den Startpunkt zu kommunizieren. Beide Mitarbeiterinnen des Familiengrundschulzentrums waren zuvor durch den Stadtteil gegangen und hatten sich Aufgaben überlegt: „Geht dorthin, wo bei uns in der Stadt ganz tolle Dinge aufgeführt werden. Zählt dort die Laternen vor der Tür“. Jede gelöste Aufgabe hat einen Lösungsbuchstaben ergeben. Die Rallye ging zwei Stunden durch den gesamten Stadtteil und auch am Familiengrundschulzentrum Sternschule vorbei. Der Preis für alle Familien, die teilnahmen, war ein Zoo-Besuch in Gelsenkirchen. Dafür wurden im Vorfeld Sponsoren wie der Zoo selbst und die Verkehrsbetriebe angesprochen. Neben solchen eher aufwändigen Projekten wurden auch Malwettbewerbe zu dem Thema „Was hast du Schönes in der Corona-Zeit erlebt?“ initiiert und über das Padlet beworben. Das Familiengrundschulzentrum hat als weiteres Beispiel auch Anleitungen für Papierflieger online gestellt, die man dann draußen vor der Tür ausprobieren konnte.

Kinder und Eltern wurden auf unterschiedlichen Wegen auf die Existenz des Padlets hingewiesen. Da beispielsweise die zweite Mitarbeiterin im Familiengrundschulzentrum auch OGS-Leitung ist, schaut sich diese regelmäßig nachmittags mit den Kindern aus der Notbetreuung das Padlet an und weist die Kinder auf spannende Inhalte hin, die Zuhause mit den Eltern bearbeitet werden können. Das Padlet wird auch bei Präsenzunterricht weiterhin genutzt und Ziel ist es, es als zusätzliche Kommunikationsplattform zu etablieren.

„Auch wenn ich nur zwei Eltern erreiche, dann ist es das schon wert und diesen beiden Familien konnte ich etwas mitgeben.“

Sozialraum: Auch Angebote im Sozialraum in Gelsenkirchen hat das Familiengrundschulzentrum im Lockdown aufrechterhalten. Zu Ostern wurden je zwei Pflanztöpfe an die Eltern und Kinder verteilt, mit einem Tütchen Weizen, einer Blanko-Postkarte und einer Bastelvorlage. Ein Set durften die Familien behalten und beim anderen wurde vorgeschlagen, es zu Ostern im Seniorenheim des Stadtteils abzugeben. Dort haben sich die Bewohnerinnen und Bewohner sehr über die Briefe und Geschenke der Kinder gefreut. Zudem wurde im Padlet auf Angebote aus dem Sozialraum aufmerksam gemacht. Wenn im Stadtteil was Spannendes für Familien angeboten wird, wird im Padlet des Familienzentrums Sternschule darauf hingewiesen – auch wenn es sich nicht um Angebote des Familiengrundschulzentrums handelt. Beispielsweise hat das Stadtteilbüro eine Schnitzeljagd durch den Stadtteil angeboten und es wurde auf Angebote hingewiesen, bei dem Familien zusätzliche Unterstützung bei der Bearbeitung der schulischen Aufgaben erhalten.

Digitale Veranstaltungen für Kinder: Im Familienzentrum Sternschule haben sich die Mitarbeiterinnen überlegt, wie man die Kinder Zuhause direkt erreichen und die Eltern ein stückweit entlasten kann. Die Video-Angebote für Kinder – wie ein Treffen zum gemeinsamen Kneten – wurden bewusst auf die Zeit nach dem Mittagessen gelegt. Dann sind die Schülerinnen und Schüler in der Regel mit den Hausaufgaben fertig. Die ersten Veranstaltungen haben zum Test mit den Kindern in der Notbetreuung stattgefunden. Die Kinder wurden von der OGS-Leitung, die auch Mitarbeiterin im Familiengrundschulzentrum ist, betreut, während die Leiterin des Familiengrundschulzentrums, Frau Hupe, aus dem Home Office die Videokonferenz moderiert hat. Der Test hat gut funktioniert und nun möchte man das Angebot alle zwei Wochen anbieten. Die digitalen Veranstaltungen werden wie auch die anderen Angebote über das Padlet, die WhatsApp-Gruppen und einen Aushang im Schaukasten des Familiengrundschulzentrum beworben. Nach Anmeldung per E-Mail erhalten Familien den Link zur Videokonferenz. Das Familienzentrum Sternschule arbeitet bei Videokonferenzen mit Microsoft Teams. Es ist zwischen Kommunen, Schulen und Trägern unterschiedlich, welche Videokonferenz-Tools datenschutzrechtlich erlaubt sind.

„Bis zu Beginn der Pandemie hatten wir nicht digital gearbeitet. Jetzt haben wir bereits die Jahresplanung für das kommende Schuljahr fertig und können diese komplett digital umsetzen, wenn es nötig sein sollte.“

Resonanz: Das Familiengrundschulzentrum Sternschule ist mit der Resonanz der Eltern sehr zufrieden. An der Stadtrallye haben 80 Personen teilgenommen, es wurden Ostern 35 Pflanzpakete mitgenommen und es gibt oft direktes Feedback der Eltern und Kinder. Es konnten sogar neue Familien angesprochen werden. Im Familienzentrum Sternschule hat man aber auch erlebt, welche Angebote digital nicht funktionieren und das ist zum Beispiel das digitale Elterncafé. Das Elterncafé wurde einmal pro Woche als Videokonferenz angeboten, aber von den Eltern nicht wirklich angenommen. Die Leiterin des Familienzentrums Sternschule kann das nachvollziehen. Nach einem Jahr Pandemie möchte man sich mit Menschen hinsetzen und einen Kaffee trinken. Videokonferenzen haben alle genug erlebt.

WEITERE INFORMATIONEN

Familiengrundschulzentrum: Familienzentrum Sternschule, Start 2014
Kommune: Gelsenkirchen
Ansprechpartnerin: Tanja Hupe
Website: Familienzentrum Sternschule
Fotocredit: Familienzentrum Sternschule